Georg Thoma

"Lass deiner Fantasie freien Lauf, sie lässt dich deine Träume verwirklichen!"

Karrierehöhepunkte

  • Olympiasieger 1960 in Squaw Valley
  • Olympia-Bronze 1964 in Innsbruck
  • Weltmeister 1966 in Oslo

Über Georg Thoma

Der Name Thoma ist in Deutschland vielleicht nicht der häufigste – aber populär ist er trotzdem. Und das hat nur wenig damit zu tun, dass er sich vom Vornamen Thomas ableitet, der wiederum auf einen der zwölf Apostel zurückgeht. Prominente, die den Namen Thoma tragen, finden sich als Schriftsteller mit den Vornamen Ludwig, als Medienmanager Helmut und als Skispringer Dieter.

Und dann gibt es noch einen gewissen Georg Thoma; Skispringer, Nordischer Kombinierer, Onkel von erwähntem Dieter und einst Holzfäller – was der Legende vom heiligen Thomas wieder nahe kommt, denn der ist noch heute der Schutzpatron der Zimmerleute, also auch in Sachen Holzbearbeitung am Start.

Olympisches Gold für Thoma in Amerika

Der ursprüngliche Beruf des Olympiasiegers und Weltmeisters in der Nordischen Kombination hat allerdings nur rudimentär mit dem Bekanntheitsgrad seines Namensträgers zu tun, vielmehr gehörte der Job im Wald zu den Tätigkeiten, die vielleicht zur Vielseitigkeit und zur allgemeinen Konditionierung des jungen Mannes beitrugen, der später auf den hölzernen Skiern die Nordische Skiwelt erobern sollte. Später – das war 1960, als der junge Mann aus dem Schwarzwald für den ersten großen Paukenschlag sorgte. Bei den Olympischen Spielen in Squaw Valley düpierte der schüchterne Schwarzwälder die internationale Konkurrenz, vor allem die bis dahin ungeschlagenen Norweger und gewann die Konkurrenz der Winterzweikämpfer. Eine Sensation, die selbst der damals 23jährige nicht für möglich hielt. „Jörgel“ wurde – das Regelwerk und der Wettkampfverlauf ließen das damals zu – von seinem Sieg im Olympischen Dorf überrascht. In das hatte sich der Hinterzartener, mit einer frühen Startnummer angetreten, längst wieder zurückgezogen und man musste – so die Überlieferung – erst eine Weile auf ihn einreden, ehe Thoma begriff, dass er die Goldmedaille gewonnen hatte und nicht die siegverwöhnten Skandinavier.

Der Triumph von 1960 machte den „No-Name“ aus dem Schwarzwald über Nacht bekannt. Doch dass Georg Thoma schon längst zu den Legenden des Skisports zählt, lag nicht allein daran. Denn aus dem Talent wurde eigentlich erst nach dem Olympiasieg im Tal der Indianerfrau der Star, mit Erfolgen bei den Holmenkollen-Spielen in Oslo, mit seinem WM-Titel 1966 in der Hauptstadt Norwegens und natürlich auch mit Bronze 1964 bei den Spielen in Innsbruck. Mit dem Fällen von Bäumen hatte der Schwarzwälder, aus einfachen Verhältnissen stammend, da schon nichts mehr zu tun. Vielmehr galt Georg Thoma als sportlichster Briefträger Deutschlands. Zur Post war er der beruflichen Sicherheit wegen gewechselt, aber auch, weil sich im Sommer auf dem Fahrrad und im Winter auf Skiern Job und Training trefflich verbinden ließen.

Kommentator, Postbote, Legende!

Georg Thoma, der „Jörgel“ blieb dem Skisport auch nach der Karriere erhalten, ob als Teilnehmer am Wasalauf, bei diversen Volksläufen, aber auch als Skispringer. Und – bei aller Bescheidenheit – seinen Ruhm mehrte er auch als Fernseh-Experte. Und weil Georg Thoma zwar kein Heiliger – aber ein bodenständiger, heimatverbundener Mensch war und ist, erfuhr der einstige Weltklasse-Mann, inzwischen längst im Legenden Status, allerlei Ehrungen und Auszeichnungen, vom Bundesverdiestkreuz über das Silberne Lorbeerblatt bis zur Aufnahme in die Hall of Fame des Deutschen Sports. Ehrenbürger seines Heimatortes Hinterzarten ist Thoma längst, inzwischen tragen auch der Olympiastützpunkt des Ortes und eine Grundschule seinen Namen. 1987 gab es zudem noch eine Auszeichnung der ganz besonderen Art, den „Goldenen Gong“ für den besten Kommentator der Nordischen Ski-WM. Und das trotz seines nie verleugneten Schwarzwälder Dialekts. Georg Thoma kann eben alles, außer hochdeutsch.

Mein größter Moment

Der größte Moment für jeden Sportler ist natürlich ein Sieg bei den Olympischen Spielen. Natürlich auch für mich, als ich 1960 in Squaw Valley die Goldmedaille holte. Das war wirklich ein krönender Augenblick. Zunächst einmal war ich froh, dass ich mich überhaupt für die Olympischen Spiele qualifiziert hatte. Wir sind damals mit einer gesamtdeutschen Mannschaft an den Start gegangen, die sich aus Sportlern aus Ost und West zusammensetzte. Dass ich mich gegen diese starke Konkurrenz durchsetzen konnte, war schon großartig für mich.

Und dann ging es auch noch nach Amerika! In die Heimat Winnetous! Ich war ein großer Karl-May-Fan und als ich nach meinem Sprung alleine durch den dichten Wald lief, habe ich mir immer vorgestellt, hinter dem nächsten Baum steht der Apachen-Häuptling! War ja nicht so abwegig, im Squaw Valley!

Europalied bei der Siegerehrung

Ich habe an dem Tag mein Bestes gegeben und bin dabei besser gelaufen, als ich selber gedacht hatte. Als einige Zeit nach dem Wettkampf mein Trainer Ewald Roscher zu mir kam und sagte, ich hätte gewonnen, konnte ich es nicht glauben. Damals konnte man sich ja noch verrechnen! Da wurde noch mit Punktetabellen gearbeitet.
Aber wir fuhren zur Siegerehrung und selbst als die Hymne angestimmt wurde, hatte ich immer noch Zweifel. Und dann erklang „Freude schöner Götterfunke“ statt des Deutschlandliedes, und da dachte ich: „Wusste ich es doch! Oder die Amis kennen unsere Nationalhymne nicht!“

Dabei hatten Ost- und West-Berlin damals entschieden, bei einem deutschen Sieg anstelle der Ost- und West-Hymnen das Europalied spielen zu lassen. Und so hatte doch alles seine Richtigkeit und ich war Olympiasieger im Sprungskilauf!

Das hat alles verändert. Von heute auf morgen war ich ein bekannter Mann und bin es immer noch. Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich dachte immer, was die alle haben! Als ich nach Hause kam, haben mich 20.000 Menschen in Empfang genommen! Diese Aufmerksamkeit war für einen so jungen Mann wie mich nicht immer einfach zu handhaben. Da musste ich erst einmal hineinwachsen.

Mein Rat an die jungen DSV-Athleten

Betreibe deinen Sport gewissenhaft und schaffe dir ein zweites Standbein. Lerne etwas, das dich auch nach deiner sportlichen Karriere weiter bringt. Und wenn der Erfolg kommt, bleib, wer du bist!

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