Helmut Recknagel

"Mut, Kraft, Selbstvertrauen, Können, Wissen, Ausdauer und Disziplin machen den Weg frei für Spitzenleistungen."

Karrierehöhepunkte

  • WM-Bronze 1958 in Lahti
  • Olympiasieger 1960 in Squaw Valley
  • Weltmeister 1960 in Squaw Valley
  • Weltmeister 1962 in Zakopane
  • WM-Bronze 1962 in Zakopane
  • Vierschanzentournee Sieger 1957/58, 1958/59 und 1960/61

Über Helmut Recknagel

Eigentlich wollte er Fußballer werden. Eine Legende, so wie Fritz und Ottmar Walter, wie Liebrich, Kohlmeyer und Eckel. Kaiserslautern, das war der Verein, für den er schwärmte, zu dem es den Thüringer zog. Und genau darin bestand das Problem, denn Thüringen lag (und liegt) im Osten Deutschlands, Kaiserslautern in der Pfalz. Und zwischen beiden Orten lag die innerdeutsche Grenze, in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch nicht unüberwindlich, aber ein gewaltiges Hindernis. Und so wurde Helmut Recknagel eben nicht Fußballer, sondern Skispringer – und trotzdem eine Legende, eine, die sich bis in die Gegenwart ungebrochener Popularität erfreut. Dass dies ohne „moderne“ Kommunikationsmittel gelang, mag an den unglaublichen Erfolgen liegen, die „Nagel“ in den 50er und 60er Jahren feiern durfte, sicher aber auch an seiner bodenständigen, bescheidenen Art, die er sich bis heute bewahrt hat.

Es waren die schweren Nachkriegsjahre, die den jungen Mann aus Steinbach-Hallenberg prägten. Der probierte mit seinen Freunden allerlei, auch im Sport. Langlauf, Skispringen und eben Fußball. Bis 1954, da entdeckte Trainer Hans Renner das Talent des jungen Burschen und lockte ihn vom Fußballfeld auf die Schanze.

Recknagel siegt am Holmenkollen

Es dauerte genau drei Jahre, da feierte der Thüringer einen Erfolg, DEN Erfolg seiner Karriere, wie Recknagel nicht müde wird, zu postulieren. Denn der damals 17jährige, ob seiner Jugend ausgestattet mit einer Sondergenehmigung, gewann dort, wo vorher noch nie ein Mitteleuropäer gesiegt hatte – am Holmenkollen, dem Heiligen Gral des Skispringens in Norwegen. Eine Sensation, die den jungen Ostdeutschen schlagartig zu einer Berühmtheit werden ließ. In Norwegen, in Deutschland und natürlich überall dort, wo man sich für das Skispringen interessierte. Für Recknagel war es der Triumph schlechthin, der Sieg der alles überstrahlte. Auch den Olympiasieg 1960 in Squaw Valley, den WM-Titel zwei Jahre später oder die drei Gesamterfolge bei der Vierschanzentournee. Und dennoch: Mit seiner Siegesserie wurde Recknagel zum erfolgreichsten Springer seiner Ära, zum Vater vieler späterer deutscher Heldentaten auf den Schanzen dieser Welt. Die Massen liebten ihn und jubelten ihm zu, sie verehrten ihn auch noch, als sein Stern zu sinken begann. Die DDR-Sportführung hingegen war gar nicht begeistert, als es für den Mitfavoriten 1964 bei den Spielen in Innsbruck „nur“ zu den Rängen 6 und 7 reichte. Die Erfahrungen, die „Nagel“ da machte, bewogen ihn wohl, mit dem aktiven Sport aufzuhören. Ein Trainerstudium in Leipzig brach der Sohn eines Zangenmachers, der selbst den Beruf des Werkzeugmachers erlernt hatte ab – er sei sich sicher, kein guter Trainer zu werden, lautete die knappe Begründung für Recknagels Entschluss. Stattdessen studierte Helmut Recknagel Veterinärmedizin, wurde Tierarzt im Kreis Fürstenwalde. Als er nach der Wende keine Anstellung mehr fand, sattelte Dr. Recknagel noch beruflich noch einmal um und eröffnete in Berlin ein Sanitätshaus. Seinem Sport aber ist Recknagel treu geblieben, als Kampfrichter, als kritischer Beobachter – und ein Vorbild für Generationen ist Helmut Recknagel bis heute. Andere Skisprunglegenden, Hans-Georg Aschenbach oder Jens Weißflog bezeichnen ihn noch heute als ihr Idol. Seinen legendären Stil mit den Armen in Vorhalte gibt es schon längst nicht mehr – seine Anekdoten und Geschichten, die Helmut Recknagel noch immer in seiner unnachahmlichen Art mit dem für seine Heimatregion typischen rollenden „R“ zum Besten gibt, erfreuen sich dagegen noch immer großer Beliebtheit. Nur in Kaiserslautern wird man sich möglicherweise ein wenig ärgern. Oder in Halle an der Saale. Denn eine Offerte von DDR-Oberligist Turbine Halle lies Recknagel 1954 kalt. Was für ein Glück für das Skispringen.

Mein größter Moment

Gemeinsam mit meinen Mannschaftskollegen Harry Glaß, Werner Lesser und meinem Trainer Hans Renner an den Holmenkollen fahren zu dürfen, war für mich eine Attraktion und Ehre. Ich war neunzehn Jahre alt und am Abend vor dem Wettkampf kam ein Zeitungsverkäufer mit seinem Bauchladen zu unserem Tisch. Ich weiß nicht, ob er mich erkannt hat oder nicht. Aber vorne auf dem Titelblatt seiner Zeitungen stand geschrieben: „Es droht deutsche Gefahr“ – und mein Name war ganz groß darunter geschrieben. Glaß und Lesser wechselten daraufhin einen nachdenklichen Blick, blieben aber stumm. Ich selbst war damals ja eigentlich noch nicht so gut wie sie und sagte meinem Trainer kurz darauf: „Ich könnte doch als Junior bei den 18- bis 20-jährigen teilnehmen. Da könnte ich gewinnen.“ Aber Hans Renner, ein Trainer, der auch heute noch erfolgreich wäre, meinte nur: „Du gewinnst auch bei den Alten.“ Und das ist dann tatsächlich eingetroffen. Schon im Training war ich der Beste in der Weite. Und am nächsten Tag – am eigentlichen Wettkampftag – war plötzlich über Nacht Nebel aufgezogen. Viel Nebel. Eine echte Waschküche. An der Schanze standen zwei Kampfrichter, die jeweils ihren Abschnitt einsehen konnten und die Spur freigaben. Selbst wir Skispringer konnten höchstens 20 Meter weit vom Schanzentisch sehen. Wir sind trotzdem gestartet. Ich mit der Nummer 176 von 212 Teilnehmern. Und am Ende wurden bei mir tatsächlich die größten Weiten gemessen. Beide Sprünge waren zwar unter 70 Metern, aber die Schanze war damals nicht größer.

Recknagel gewinnt am Holmenkollen

Dieser Tag, dieser Wettkampf, war mein Durchbruch. Auf einmal gehörte ich zur nordischen Elite. Und ehrlich gesagt habe ich mich damals erst einmal noch nicht so wirklich wohl gefühlt. Ich wurde also – als erster Mitteleuropäer – Sieger am Holmenkollen. Und das war damals auf jeden Fall gleichrangig in der Wertung wie ein Olympiasieg oder ein Weltmeistertitel.

Mein Rat an die jungen DSV-Athleten

  1. Wichtig ist eine gute Vorbereitung, auch im Kollektiv. Denn jeder Einzelne mag noch so gut sein, in der Gemeinschaft ist man besser.
  2. Die Erhaltung der Gesundheit. Das gilt für jeden. Ausgewogene Ernährung ist wichtig, ebenso ausreichend Schlaf. Gesundheit bedeutet aber viel mehr, als einfach nur „nicht krank“ zu sein! Gesundheit bedeutet auch Lebendigkeit, Energie und Lebensfreude.
  3. Bewegung bringt Vitalität. Bewegung ist der Treibstoff für Körper, Geist und Seele.
  4. Ganz wichtig: Partnerschaftliche Beziehungen.

und

  1. Arbeit als hohes Gut. Nicht nur beruflich, sondern auch im Ehrenamt. Erst eine erfüllende Arbeit schafft Lebensqualität.

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