Heute steht für unsere Skispringer mit dem Einzel von der Normalschanze der Auftakt in die Olympischen Spiele 2026 auf dem Programm. Auf der Schanze in Predazzo kämpfen unsere Adler um olympisches Edelmetall.
Bevor es ernst wird, polieren wir euer Olympiawissen kurz auf. Willkommen in der Olympia-Zeitkapsel: Hier holen wir jeden Tag – passend zu den anstehenden Medaillenentscheidungen – einen legendären Moment der olympischen Geschichte hervor. Perfekt zum Einstimmen auf den Wettkampftag und für das kleine Extra an Olympia-Nerdwissen.
Wie Jens Weißflog zu seinem ersten Olympiagold sprang
Irgendwie wurde es wirklich Zeit, dass es langsam losging. Biathleten und Bobpiloten hatten ihre Wettbewerbe schon begonnen, die Skilangläufer auch, im Eisschnelllauf-Oval drehte man seit Tagen seine Runden – nur am Berg Igman, dort, wo die Schanzen standen, herrschte noch Ruhe. Vielleicht hatten die Organisatoren auch extra bis zum Sonntag warten wollen, denn das Skispringen faszinierte die Massen, alle lauerten auf das Duell Matti Nykänen gegen Jens Weißflog.
Das Ausnahmetalent aus dem finnischen Jyväskylä gegen den „Floh vom Fichtelberg“, dieser Zweikampf hatte sich schon über die gesamte Saison hin die große Nummer auf den Schanzen dieser Welt herauskristallisiert. Weißflog, der 19jährige Jungspund aus dem Erzgebirge hatte Vorjahressieger Nykänen bei der Vierschanzentournee als Gesamtsieger den Titel entrissen, der gerade mal ein Jahr ältere Finne seinen Formaufbau aber ganz offensichtlich an den Winterspielen in Sarajevo orientiert, denn nach schwachem Saisonbeginn kam Nykänen vor den Spielen von Wettkampf zu Wettkampf immer besser in Form. Es folgte der olympische Showdown. Weißflog, mit Nummer 50 aufgerufen, kam im ersten Durchgang auf stolze 90 Meter, Nykänen konterte, setzte erst nach 91 Metern auf und führte.
Es folgte Durchgang 2. Man muss an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass das Skispringen von 1984 mit dem von heute nur noch bedingt vergleichbar ist. Das betrifft nicht nur das Material, gemessen an der heutigen Bekleidung hüpften die Adler damals fast in Säcken von der Schanze. Gesprungen wurde im Parallelstil und es gab auch keinen Balken, von dem sich die Springer abstoßen konnten, man sprang aus einer Anlaufluke. Und es gab noch nicht die umgekehrte Reihenfolge der Platzierung des ersten Durchgangs für das Finale.
Also war Weißflog wieder vor Nykänen an der Reihe. Die Bedingungen hatten sich verschlechtert, für den Oberwiesenthaler war dieser zweite Versuch deshalb ein Balanceakt auf schmalem Grat. Risiko oder Sicherheit, Silber nehmen oder nach Gold greifen, nach dem Gold, das schon immer das große Sehnsuchtsziel des Leichtgewichtes aus Sachsen gewesen war. Weißflog entschied sich trotz der böigen Winde für Risiko, segelte nach unruhigem Flug auf 87 Meter und ging in Führung. Was folgte, war banges Warten, eine Zeit, die dem Deutschen wie eine Ewigkeit vorgekommen war, wie er später einmal erzählte. Matt Nykänen hatte die Startnummer 57, erschien an seiner Luke, wartete, zog sich mit der rechten Hand am Bügel in Richtung Spur. Und hatte plötzlich Probleme, in die Anlaufspur zu finden, musste nachtreten, mit dem linken Arm korrigieren. Das kostete Geschwindigkeit und so war die wilde Luftfahrt des Finnen schon nach 84 Metern beendet. Die finnischen Fans verstummten, Weißflog dagegen jubelte. Es war der erste Titel für den Sachsen, zwei weitere sollten folgen. Allerdings erst viele Jahre später, denn der Legendenstatus, der den Oberwiesenthaler bis heute umgibt, der resultiert nicht nur aus der schier unendlichen Anzahl seiner Erfolge. Der ist auch Resultat der Tatsache, dass es der Floh vom Fichtelberg immer wieder schaffte, Krisen zu überwinden. Die Niederlagen bei den Winterspielen in Calgary 1988 und Albertville 1992 gehören zweifellos dazu. Dass Weißflog auf der Großschanze in Sarajevo hinter Nykänen Silber holte, war dagegen keine Pleite, sondern das normale Ergebnis sportlicher Rivalität. Die beiden Schanzengroßmeister hatten sich die Olympiasiege am Mont Igman geteilt, das Duell konnte weitergehen.
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