Die Abfahrt markiert heute den Olympia-Auftakt für unsere Alpin-Damen. Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann kämpfen in Cortina um olympisches Edelmetall. Bevor es ernst wird, polieren wir euer Olympiawissen kurz auf. Willkommen in der Olympia-Zeitkapsel: Hier holen wir jeden Tag – passend zu den anstehenden Medaillenentscheidungen – einen legendären Moment der olympischen Geschichte hervor. Perfekt zum Einstimmen auf den Wettkampftag und für das kleine Extra an Olympia-Nerdwissen.
Wie Katja Seizinger olympische Abfahrtsgeschichte schrieb
Wer hierzulande an Alpine Skifahrerinnen denkt, dem fällt wohl zunächst immer der Name Rosi Mittermaier ein. Die vom Boulevard liebevoll zur „Gold-Rosi“ umgetaufte Ausnahmekönnerin hatte es spätestens 1976 mit ihren Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in die Herzen nicht nur der deutschen Sportfans geschafft. Mittermaiers immer fröhliche, stets zugewandte Art, ihr Lächeln verzauberte Zeit ihres Lebens eine ganze Nation. Die Gold-Rosi, im alpinen Ski-Zirkus Deutschlands Nummer 1.
Was allerdings nicht ganz korrekt ist – die erfolgreichste Skirennläuferin des DSV, das war die Rosi nicht. Denn während Mittermaier 2x zu Gold raste, schaffte eine gewisse Katja Seizinger gleich 3x das Kunststück, Gold bei Olympischen Spielen zu erringen. Allerdings wäre bei Seizinger wohl niemand auf den Gedanken gekommen, aus ihr eine „Gold-Kati“ zu machen. Denn sie galt immer irgendwie als Gegenentwurf zu Mittermaier. Was ebenso falsch wie ungerecht ist. Fakt aber bleibt: Sportlich verbindet Seizinger viel mit Mittermeier, vor allem der Erfolg.
Schon bei den Winterspielen in Albertville 1992 hatte die damals gerade 19jährige den Sprung aufs Podium geschafft, aus Frankreich Bronze im Super-G mitgebracht. Zwei Jahre später in Lillehammer siegte die aus Datteln im Ruhrgebiet stammende und für den SC Halblech startende Sportlerin bei den Spielen in ihrer Paradedisziplin, dem Abfahrtslauf. Weil Katja Seizinger aber eben gerade nicht der extrovertierte Typ war, keine Sportlerin, die freudestrahlend auf jeden Funktionär zueilte, jede Kamera anlächelte, das Bad in der Menge suchte, weil sich die längst in Bayern wohnende Weltmeisterin und Olympiasiegerin der Öffentlichkeit eben auch mal verweigerte und selbst bei eigenem Erfolg eher skeptisch dreinblicken konnte, statt überschäumend glücklich, da reagierte die Öffentlichkeit verwirrt. Oder die, die sich für Augen und Ohren der Öffentlichkeit hielten – die Medien. Und so kam es tatsächlich dazu, dass nach dem Goldrennen von Lillehammer ein Fotograf die Dreistigkeit besaß, der Olympiasiegerin entgegenzubrüllen, sie solle doch gefälligst lachen, auf den Original-Wortlaut des Zurufs sei an dieser Stelle verzichtet. Fortan schleppte Katja Seizinger den Ruf der unnahbaren Athletin wie einen Rucksack mit sich herum. Die Welt um sie herum machte sich öffentlich nahezu philosophische Gedanken, es entstanden entsprechende Werke, eines beispielsweise unter dem Titel: „Muss ein Ski-Genie lachen können?“ Wobei man fairerweise auch darauf hinweisen muss, dass die Autorin zu dem Urteil kam: Muss es nicht!
Katja Seizinger focht dies – zumindest äußerlich – nicht weiter an. Was wohl auch daran lag, dass ein breites Publikum zurecht die Leistungen der Skirennfahrerin würdigte und weniger den Gesichtsausdruck nach dem Rennen bewertete. Deshalb wurde Seizinger auch mehrfach „Sportlerin des Jahres“. Und das völlig verdient. Denn spätestens bei den Spielen 1998 in Nagano krönte sich die da 25jährige endgültig. Die Deutsche war als Mitfavoritin angereist, blieb im Super-G als Sechste aber medaillenlos. Es folgte das Abfahrtsrennen und hier legte Katja Seizinger einen Fabellauf hin. Im Ziel hatte sie fast drei Zehntelsekunden Vorsprung auf die Zweitplatzierte, Pernilla Wiberg aus Schweden. Seizinger schaffte damit gleich zwei Kunststücke: Sie war die erste Frau, die im Alpinen Skisport einen Olympiasieg wiederholen konnte und für den Abfahrtslauf galt: Dort hatte das noch gar niemand geschafft. Nur der Italiener Alberto Tomba hatte zuvor 1988 und 1992 im Riesenslalom 2x als Olympiasieger in der gleichen Disziplin geglänzt. Weil Seizinger beim bis heute einmaligen deutschen Dreifacherfolg in der Kombination ebenfalls die Nase vorn hatte, steht sie mit 3 Olympischen Goldmedaillen bis jetzt ganz oben auf dem Thron der erfolgreichsten deutschen alpinen Skisportlerinnen.
Ihre sportliche Karriere beendete Katja Seizinger nach langer Verletzung nach der Saison 1998/99. Um sich mit ganzer Kraft, dem ihr eigenen Ehrgeiz und ihrem Talent neuen Aufgaben zuzuwenden. Heute ist Katja Weber, geheiratet wurde im Sommer 1999, Aufsichtsratsvorsitzende eines Stahlunternehmens und Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Kindern.
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