Heute kämpfen unsere Langläuferinnen in der Staffel um olympisches Edelmetall.
Bevor es ernst wird, polieren wir euer Olympiawissen kurz auf. Willkommen in der Olympia-Zeitkapsel: Hier holen wir jeden Tag – passend zu den anstehenden Medaillenentscheidungen – einen legendären Moment der olympischen Geschichte hervor. Genau richtig, um das kleine Extra an Olympia-Nerdwissen mitzunehmen und perfekt in den Wettkampftag zu starten.
Die Olympischen Spiele 2002 standen aus Sicht der Langläuferinnen und Langläufer unter keinem guten Stern. Im Jahr zuvor war der Langlauf von einem Dopingskandal erschüttert worden. Die Strukturen der Sportart hatte es in Finnland anschließend nahezu zerbröselt. Doch damit nicht genug – bei den Spielen selbst sorgten die Österreicher für Negativ-Schlagzeilen, auch hier ging es um das Thema Blutdoping. Am Tag der Entscheidung über 4×5 Kilometer bei den Frauen blieb es auch nicht ruhig. Denn unmittelbar vor dem Startschuss sickerte durch, dass das russische Quartett aus dem Rennen genommen worden war. Eine Entscheidung, die von der Konkurrenz mit Interesse aufgenommen wurde. Denn die Russinnen galten traditionell als Medaillenkandidat.
Auch die vier Frauen aus Deutschland rechneten sich einiges aus. In Ramsau, 3 Jahre zuvor, hatte ein Quartett des DSV WM-Bronze ergattert, im Vorjahr war man in Lahti nur knapp am Podest vorbeigeschrammt. Und auch die Vorleistungen in der Olympiasaison gaben zu leichtem Optimismus Anlass.
Wie Henkel, Bauer, Sachenbacher und Künzel sensationell Olympiasiegerinnen wurden…
Die Strecke von Soldier Hollow ist kein gewöhnliches, sie liegt 1.700 bis 1.793 Meter über Meereshöhe. Offenbar ein ideales Gelände für Manuela Henkel. Die darf sich noch heute mit ihrer Schwester Andrea gemeinsam über die Auftritte im US-Bundestaat Utah freuen Andrea feierte im Biathlon tolle Erfolge, Manuelas großer Auftritt folgte am 21. Februar, Start war um 9:30 Uhr Ortszeit. Für Norwegen startete eine gewisse Marit Björgen, damals 21 Jahre jung und wie alle anderen Läuferinnen chancenlos gegen eine entfesselt durch die Loipe stürmende Deutsche. Die Thüringerin übergab mit ein paar Sekunden Vorsprung auf Viola Bauer aus Oberwiesenthal. Bauer hatte es mit Bente Skari zu tun und konnte der großen Favoritin Paroli bieten. Norwegen übergab an Position eins, Deutschland knapp dahinter, der Rest des Feldes folgte mit Abstand. In der freien Technik ging es weiter und im deutschen Lager begann man sich auf eine mögliche Medaille vorzubereiten. Claudia Künzel – an Position drei laufend – hatte Mühe, Norwegens Hilde Petersen nicht enteilen zu lassen, die neun Sekunden Differenz zwischen Norwegen und Deutschland, den Evi Sachenbacher als deutsche Schlussläuferin auf Anita Moen mitnahm, waren eine Hypothek, aber Silber eine Option, mit der man zufrieden gewesen wäre. Evi Sachenbacher war nicht zufrieden. Die Frohnatur aus Bayern packte die Säge aus, lief zu Moen auf und hielt sich anschließend im Windschatten der Norwegerin auf. Beide galten als Läuferinnen mit hohen Endgeschwindigkeit, zwei Tage zuvor hatte die Deutsche Silber im Sprint gewonnen, Moen Bronze. Ein Drama bahnte sich an…
… mit goldenem Ausgang für das DSV-Quartett, denn Evi Sachenbacher flog auf den letzten Metern an der Konkurrentin vorbei und holte den Olympiasieg, den ersten für eine deutsche Frauenstaffel nach 1980 – und in seiner Entstehung mindestens ebenso sensationell wie der 22Jahre zuvor ebenfalls in den USA errungen. Vier junge Frauen lagen sich in den Armen, konnten ihr Glück nicht fassen und hatten anschließend eine ebenso simple wie lustige Erklärung für die Leistungsexplosion. Manuela Henkel sprach nämlich vom vorangegangenen Kontakt zu ihrer eher wortkargen Schwester, die drei Tage vor den Langläuferinnen ebenfalls Staffel-Gold aus dem Schnee von Utah geschürft hatte und der älteren Schwester anschließend den entscheidenden Tipp mit auf den Weg gegeben hatte: „Zippel machen!“ Das ist mittelhochsüdthüringisch und bedeutet: Flechtet Zöpfe und ihr habt Erfolg! Gesagt getan, vier DSV-Langläuferinnen flochten ihr Haar, durchwirkten die blonden, braunen und dunklen Locken mit schwarz-rot-goldenen Bändern und liefen zu: Gold für das DSV-Zippel-Quartett.
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