Es geht endlich los – das Highlight der Saison beginnt! Mit dem Skiathlon starten unsere Langläuferinnen und Langläufer heute in die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand Cortina.
Bevor es ernst wird, polieren wir euer Olympiawissen kurz auf. Willkommen in der Olympia-Zeitkapsel: Hier holen wir jeden Tag – passend zu den anstehenden Medaillenentscheidungen – einen legendären Moment der olympischen Geschichte hervor. Perfekt zum Einstimmen auf den Wettkampftag und für das kleine Extra an Olympia-Nerdwissen.
Selbst 24 Deutsche Meistertitel hätten wahrscheinlich nicht gereicht, um Jochen Behle zwischen Flensburg und Berchtesgaden zu einer sportlichen Berühmtheit werden zu lassen. Es war ein 12. Platz bei den Olympischen Spielen von Lake Placid 1980 und „mitschuldig“ am plötzlich explodierenden Bekanntheitsgrad des Langläufers aus dem Sauerland war auch ZDF-Fernsehkommentator Bruno Moravetz.
Wie ganz Deutschland Jochen Behle auf den Bildschirmen suchte
Der Reihe nach: Am 17. Februar 1980, einem Sonntag, standen die 15 Kilometer bei den Langläufern auf dem Programm. Gestartet wurde um 9:00 Uhr Ortszeit, in Deutschland war da schon Nachmittag; beste Sendezeit für Sportfans. Die hatten sich vor den Fernsehern versammelt, um die Olympischen Winterspiele zu verfolgen.
Zur Einordnung: Fernsehen hieß damals entweder ARD oder ZDF einzuschalten – in Ostdeutschland übertrug das DDR-Fernsehen. Private Fernsehsender gab es nicht, Computer, Tablets, Mobiltelefone, Internet – alles Zukunftsmusik. Gestartet wurde im Langlauf ausschließlich in der klassischen Technik, Skating wurde später durch den Schweden Gunde Svan etabliert, aber der feierte erst vier Jahre später in Sarajevo sein Olympia-Debüt. Auch Begriffe wie Massenstart kannte man noch nicht, es ging im Abstand von 30 Sekunden als Solist in die Loipe. Und wer jetzt glaubt, die Sportler wären von mitfahrenden Kameraschlitten, Drohnen oder zahllosen Aufnahmegeräten in den Wäldern permanent präsent gewesen – weit gefehlt.
Und hier beginnt unsere Geschichte. Der 19-Jährige Jochen Behle war mit einer niedrigen Startnummer unterwegs und startete stürmisch. Bei der ersten Zwischenzeit lag der Deutsche plötzlich vorn, war jedoch – weil international ein unbeschriebenes Blatt – vom Regisseur der Rennübertragung einfach mal ignoriert worden. Der zeigte weiter munter die Favoriten aus Schweden, Norwegen, der UdSSR und Finnland, was ZDF-Kommentator Moravetz fragend zurücklies. Moravetz teilte seine Befindlichkeit und rief ins Mikrofon: „Wo ist Behle?“
Weil der Hesse der Weltregie aber trotz der besorgten Frage des deutschen Fernsehkommentators weiterhin ziemlich schnuppe blieb, standen Moravetz und mit ihm Millionen deutsche Olympiafans vor einem Rätsel. Behle war nicht zu sehen. Bruno Moravetz wiederholte seine Frage wieder und wieder, es gab auch diese Varianten: „Was ist mit Behle? Wir wissen nichts, wir sehen ihn nicht. Behle ist weg.“ Oder die: „Behle haben wir noch nicht gesehen. Haben sie was gegen Behle oder ist er nicht da oder was ist denn los?“. Klassiker aber blieb der oft wiederholte Ausruf: „Wo ist Behle?“
Der junge Langläufer zahlte seinem stürmischen Anfangstempo im Verlauf des Rennens ein wenig Tribut, wurde am Ende 12, war aber auf einen Schlag berühmt, denn dank seiner Leistung und der vergeblichen Suche von Moravetz hatte sich der Name beim TV-Publikum eingebrannt.
Zwei Bonmots zum Abschluss: Bruno Moravetz kam unzufrieden aus der Kommentatoren-Kabine. Erst als ihm aus der Heimat gespiegelt wurde, dass seine Reportage wohl Kult-Charakter erlangen würde, besserte sich die Laune des Fernsehmannes. Auch Moravetz profitierte in Sachen Bekanntheitsgrad noch einmal von Behles Auftritt. Und: Den Olympiasieg sicherte sich der Schwede Thomas Wassberg, der in einem dramatischen Rennen den Finnen Juha Mieto um eine Hundertstelsekunde distanzierte, das entsprach reichlich 5 Zentimetern. Dieses Duell stand im DDR-Fernsehen im Mittelpunkt der Berichterstattung. Weshalb man raten kann, woran es wohl gelegen haben mag, dass Jochen Behle nach seinem Olympia-Fünfzehner auch zwischen Ahlbeck und Zwickau Kultstatus erreichte…
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